Sonntag, 17. Dezember 2023

3.Advent

Die Geschichte vom Engel mit dem zerbrochenen Flügele rzählt nach Christa Spilling-Nöker

Der Engel Samuel hatte einen Unfall. Und das ausgerechnet einen Tag vorder Heiligen Nacht, in der doch alle Engel in Bethlehem gebraucht würden. Samuel sitzt auf einer Wolke und weint leise vor sich hin . Sein Mitengel Raphael nimmt ihn erst einmal in den Arm: „Was ist denn passiert?“, fragt er. Samuel schluchzt. „Ach, ich war gerade im Unsichtbar-Modus unterwegs auf der Erde. Ich wollte eine traurige Frau unter meine Fittiche nehmen. Da kam quer von links plötzlich eines von diesen rasend schnellen fliegenden Ungetümen, denen der Hintern brennt. Du weißt schon… Ich konnte nicht mehr ausweichen, und seitdem tut mein linker Flügel schrecklich weh. Aber das schlimmste ist: Ich kann ihn nicht mehr richtig bewegen. Nur mit Müh und Not und Rückenwind bin ich zurück in den Himmel gekommen. Wie soll ich morgen bloß auf die Erde kommen? Ich werde der einzige Engel sein, der die Geburt des göttlichen Kindes verpasst…“ Dicke Tränen laufen über Samuels Wangen. Raphael wischt sie liebevoll mit dem Ärmel seines Engelgewandes ab. „Lass mich mal sehen…“ Vorsichtig legt er seine Hand auf Samuels Flügel. „Autsch, der scheint gebrochen zu sein… Das wird eine Weile dauern…“ Der Tränenstrom aus Samuels Augen wird wieder dichter. „Was bin ich nur für ein Engel? Meine Stimme wird nicht dabei sein, wenn in der Heiligsten aller Nächte die Engelschöre ihre Melodie in Ohren und Herzen schicken…“ Raphael nimmt ihn in den Arm und wiegt ihn: „Shhhh shhhhhh, wir finden eine Lösung…“ Am nächsten Morgen steht Raphael wieder vor Samuel. „Ich weiß, was wir machen, wart ab. Das Tempo der anderen können wir vielleicht nicht mithalten, aber wir WERDEN zum Stall kommen – gemeinsam...“ Am Heiligen Abend dann sammeln sich alle Engel am vereinbarten Treffpunkt – mit geputzten Heiligenscheinen, gebügelten Gewändern und Geschenken für das Christuskind. Unauffällig schieben sich Samuel und Raphael in die hinterste Reihe. „Komm“, flüstert Raphael, „lege deinen linken gebrochenen Flügel auf meinen rechten, ich stütze dich. Mitvereinten Kräften wird es gehen.“ So starten die beiden. Unterwegs schreit Samuel vor Schmerz immer wieder leise auf, aber zu guter Letzt kommen auch sie über dem Stall von Bethlehem an – wenn auch leicht verspätet. Unauffällig stellen sie sich in die letzte Reihe und stimmen in den Chor ein. „Ehre sei Gott in der Höhe“… Als der Gesang geendet hat, erheben sich alle und umschweben das Jesuskind. Alle „himmlischen Heerscharen“ erleuchten mit ihrem Glanz den Stall. „Was bringst du mir?“, fragt das Kind in der Krippe jeden einzelnen Engel. Die Engel antworten: „Wir bringen dir unsere Freude, unseren Gesang und unsere Hoffnung, dass auf der Erde endlich Frieden wird.“ Das himmlische Kind nickt und schweigt. Ganz zuletzt treten verlegen Samuel und Raphael vor. „Was bringt ihr mit?“, fragt das himmlische Kind auch sie. Samuel schaut zu Boden. „Ich komme mit einem gebrochenen Flügel“, flüstert er. „Ich habe nichts anderes, was ich bringen könnte. Nur meine Schwäche und meine Schmerzen.“ Bei diesen Worten stehen ihm Tränen in den Augen, er schämt sich so schrecklich: Nichts hat er dabei, womit er das Kind glücklich machen könnte. „Und du?“, fragt das Kind Raphael. Auch der blickt zu Boden: „Ich bringe dir nichts als die Liebe und die Kraft, mit der ich Samuel gestützt habe.“ Eine Weile ist es still im Stall, alle warten gespannt. Samuel und  Raphael zittern am ganzen Körper. Was haben sie sich nur herausgenommen? Da antwortet das himmlische Kind: „Ihr beiden habt mir die größten Geschenke von allen gebracht. Du, Samuel, hast dich mir in all deiner Schwäche, in deinem Leiden und deinen Schmerzen offenbart. Was für ein Vertrauen hast du mir geschenkt! Dazu bin ich in die Welt gekommen: Wer auch immer traurig, bedrückt oder voller Angst und Sorge ist, darf zu mir kommen, damit ich sein Leid in mein Herz nehmen und heilen kann. Ich danke dir für das Geschenk deines Vertrauens und nehme es mit großer Freude an.“ Samuel hebt die Augen, er weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Mit einem Mal spürt er eine neue,unbändige Kraft in seinem gebrochenen Flügel, die Schmerzen sind verschwunden. Mit grenzenlosem Jubel schwingt er sich in die Lüfte und umkreist den Stall. Raphael hat der ganzen Szene erstaunt zugesehen, aufgeregt tritt er von einem Bein auf das andere. „Raphael, auch dir danke ich für dein Geschenk“, sagt das göttliche Kind. „Du hast gelebt, wofür ich die Menschen in ihrem Herzen empfindsam machen möchte: Wo auch immer Betrübnis und Leid herrschen, möge jeder einzelne versuchen, es zu lindern. Was du getan hast, das möchte ich den Menschen ins Herz schreiben: Dass sie Schwache stützen und unter die Flügel greifen, damit jede und jeder an das Ziel seines Lebens kommt.“ Das Jesuskind lächelt, und Raphael, Samuel und allen Engeln wird warm ums Herz…

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Es weihnachtet (5)

Dieses Buch kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen. Ein Buch, dass für mich seit ein paar Jahren unbedingt zur Weihnachtszeit dazu gehört.


Was ist das nur für ein helles Licht, das die Schafe inmitten einer Winternacht aus dem Schlaf reißt? Und wo sind eigentlich ihre Hirten geblieben? Wurden sie vielleicht von einem Ufo entführt? Oder hat das Ganze etwa mit diesem Mädchen zu tun, das in einem nahegelegenen Stall geboren worden sein soll? Um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, begeben sich die Schafe auf eine abenteuerliche Nachtwanderung. Doch schon bald haben sie das erste Schaf verloren --- Hintersinnig und (g)rasend komisch.


Sonntag, 10. Dezember 2023

2. Advent in St.Engelbert

Der Weg zur Krippe



Es war einmal ein Hirte, der lebte auf dem Felde in der Nähe Bethlehems. Er war groß und stark, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen. Darum saß er meistens mürrisch am Feuer und sah zu, dass es nicht ausging. Die anderen Hirten fürchteten ihn.
Als den Hirten in der heiligen Nacht ein Engel erschien und die Frohe Botschaft verkündete, wandte er sich ab. Und als sie sich aufmachten, um das Kind zu finden, so wie es ihnen der Engel gesagt hatte, blieb er allein am Feuer zurück. Er schaute ihnen nach, sah, wie das Licht ihrer Lampen kleiner und kleiner wurde und sich in der Dunkelheit verlor.
„Lauft! Lauft!“ Was wird es schon sein? Ein Spuk, ein Traum. Die Schafe rührten sich nicht. Die Hunde rührten sich nicht. Er hörte nur die Stille. Er stocherte mit der Krücke in der Glut. Er vergaß, frisches Holz aufzulegen. Und wenn es kein Spuk, kein Traum wäre? Wenn es den Engel gab?
Er raffte sich auf, nahm die Krücken unter die Arme und humpelte davon, den Spuren der anderen nach. Als er endlich zu dem Stall kam, dämmerte bereits der Morgen. Der Wind schlug die Türen auf und zu. Ein Duft von Gewürzen hing in der Luft. Der Lehmboden war von vielen Füßen zertreten. Er hatte den Ort gefunden.
Doch wo war nun das Kind, der Heiland der Welt? Er lachte. Es gab keine Engel. Schadenfroh wollte er umkehren. Da entdeckte er die kleine Kuhle, wo das Kind gelegen hatte, sah das 
Nestchen im Stroh. Da wusste er nicht, wie ihm geschah. Er kauerte vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aussieht, dass das Kind ihm nicht zulächelte, dass er den Gesang der Engel nicht hörte und Maria nicht bewunderte. Was machte es aus, dass er nun nicht mit den anderen in Bethlehem durch die Gassen zog und von dem Wunder erzählte.

Was ihm widerfahren war, konnte er nicht mit Worten beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anfachen, bevor die anderen Hirten zurückkamen. Doch als er eine Weile gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte umkehren. Warum denn? Zögernd ging er weiter, dann mit immer festeren Schritte.
Max Bolliger

1.Advent in St.Engelbert

Der störrische Esel und die süße Distel 



Als der heilige Josef im Traum erfuhr, dass er mit seiner Familie vor der Bosheit des Herodes fliehen müsse, weckte der Engel in dieser bösen Stunde auch den Esel im Stall.

"Steh auf!" sagte er von oben herab, "du darfst die Jungfrau Maria mit dem Herrn nach Ägypten tragen." Dem Esel gefiel das gar nicht. Er war kein sehr frommer Esel, sondern eher ein wenig störrisch von Gemüt. "Kannst du das nicht selber besorgen?" fragte er verdrossen. "Du hast doch Flügel, und ich muss alles auf dem Buckel schleppen! Warum denn gleich nach Ägypten, so himmelweit!"

"Sicher ist sicher!" sagte der Engel; und das war einer von den Sprüchen, die selbst einem Esel einleuchten müssen.

Als er nun aus dem Stall trottete und zu sehen bekam, welch eine Fracht der heilige Josef für ihn zusammengetragen hatte, das Bettzeug für die Wöchnerin und einen Pack Windeln für das Kind, das Kistchen mit dem Gold der Könige und zwei Säcke mit Weihrauch und Myrrhe, einen Laib Käse und eine Stange Rauchfleisch von den Hirten, den Wasserschlauch, und schließlich Maria selbst mit dem Knaben, auch beide wohlgenährt, da fing er gleich wieder an, vor sich hinzumaulen. Es verstand ihn ja niemand außer dem Jesuskind.

"Immer dasselbe", sagte er, "bei solchen Bettelleuten! Mit nichts sind sie hergekommen, und schon haben sie eine Fuhre für zwei Paar Ochsen beisammen. Ich bin doch kein Heuwagen", sagte der Esel, und so sah er auch wirklich aus, als ihn Joseph am Halfter nahm; es waren kaum noch die Hufe zu sehen.

Der Esel wölbte den Rücken, um die Last zurechtzuschieben, und dann wagte er einen Schritt, vorsichtig, weil er dachte, dass der Turm über ihm zusammenbrechen müsse, sobald er einen Fuß voransetze. Aber seltsam, plötzlich fühlte er sich wunderbar leicht auf den Beinen, als ob er selber getragen würde; er tänzelte geradezu über Stock und Stein in der Finsternis.

Nicht lange, und es ärgerte ihn auch das wieder. "Will man mir einen Spott antun?" brummte er. "Bin ich etwa nicht der einzige Esel in Bethlehem, der vier Gerstensäcke auf einmal tragen kann?"

In seinem Zorn stemmte er plötzlich die Beine in den Sand und ging keinen Schritt mehr von der Stelle.

Wenn er mich auch noch schlägt, dachte der Esel erbittert, dann hat er seinen ganzen Kram im Graben liegen!

Allein Joseph schlug ihn nicht. Er griff unter das Bettzeug und suchte nach den Ohren des Esels, um ihn dazwischen zu kraulen. "Lauf noch ein wenig", sagte der heilige Joseph sanft, "wir rasten bald!"

Daraufhin seufzte der Esel und setzte sich wieder in Trab. So einer ist nun ein großer Heilger, dachte er, und weiß nicht einmal, wie man einen Esel antreibt!

Mittlerweile war es Tag geworden, und die Sonne brannte heiß. Joseph fand ein Gesträuch, das dünn und dornig in der Wüste stand, in seinem dürftigen Schatten wollte er Maria ruhen lassen. Er lud ab und schlug Feuer, um eine Suppe zu kochen; der Esel sah es voll Misstrauen. Er wartete auf sein eigenes Futter, aber nur, damit er es verschmähen konnte. "Eher fresse ich meinen Schwanz", murmelte er, "als euer staubiges Heu!"

Es gab jedoch gar kein Heu, nicht einmal ein Maul voll Stroh; der heilige Joseph, in seiner Sorge um Weib und Kind, hatte es rein vergessen. Sofort fiel den Esel ein unbändiger Hunger an. Er ließ seine Eingeweide so laut knurren, dass Joseph entsetzt um sich blickte, weil er meinte, ein Löwe säße im Busch.

Inzwischen war auch die Suppe gar geworden, und alle aßen davon. Maria aß, und Joseph löffelte den Rest hinterher, und auch das Kind trank an der Brust seiner Mutter; nur der Esel stand da und hatte kein einziges Hälmchen zu kauen. Es wuchs da überhaupt nichts, nur etliche Disteln im Geröll. "Gnädiger Herr!" sagte der Esel erbost und richtete eine lange Rede an das Jesuskind; eine Eselsrede zwar, aber ausgekocht scharfsinnig und ungemein deutlich in allem, worüber die leidende Kreatur vor Gott zu klagen hat. "I-a! " schrie er am Schluss, das heißt: "So wahr ich ein Esel bin!"

Das Kind hörte alles aufmerksam an. Als der Esel fertig war, beugte er sich herab und brach einen Distelstängel; den bot es ihm an.

"Gut!" sagte er, bis ins Innerste beleidigt. "So fresse ich eben eine Distel! Aber in deiner Weisheit wirst du voraussehen, was dann geschieht. Die Stacheln werden mir den Bauch zerstechen, so dass ich sterben muss, und dann seht zu, wie ihr nach Ägypten kommt!"
Wütend biss er in das harte Kraut, und sogleich blieb ihm das Maul offen stehen; denn die Distel schmeckte durchaus nicht, wie er es erwartet hatte, sondern nach süßestem Honigklee, nach würzigstem Gemüse. Niemand kann sich etwas derart Köstliches vorstellen, er wäre denn ein Esel.

Für diesmal vergaß der Graue seinen ganzen Groll. Er legte seine langen Ohren andächtig über sich zusammen, was bei einem Esel soviel bedeutet, wie wenn unsereins die Hände faltet.

Karl Heinrich Waggerl

Dienstag, 5. Dezember 2023

Es weihnachtet (4)

Für die etwas größeren Kinder oder die, die welche geblieben sind haben wir etwas von der Harry Potter Autorin J.K. Rowling im Sortiment.


Was tun, wenn der allerbeste Freund plötzlich verschwindet? Jack und sein geliebtes Kuscheltier Swein sind unzertrennlich. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches und Swein geht verloren. Um ihn zurückzugewinnen, muss Jack ins Land der Verlorenen – einen magischen Ort voller Überraschungen und seltsamer Wesen. Dort muss er sich vielen Gefahren stellen und wird am Ende vor die größte Entscheidung seines Lebens gestellt – schließlich geht es um seinen besten Freund!

Die berührende Geschichte über wahre Freundschaft und den Mut, über sich selbst hinauszuwachsen, hat bezaubernde Bilder und ist ideal zum Vor- und Selberlesen geeignet

Wir sind dabei - Weltvorlesetag